Album Rezensionen

Albumcover Nagarak

Autor: Moritz Alves
Datum: 10.05.2020


Die junge Band Definition Of Insanity greift mit ihrem ersten Album nach den Sternen. „Nagarak“, so der Name der Scheibe, scheint eine Art Konzeptalbum oder Metal-Rock-Oper sein zu wollen. Mit solch einem Brocken als Debüt einen Fuß in die Tür zu kriegen, das halte ich zumindest für ambitioniert.

Dem Charakter eines übergeordneten Konzepts trägt die Band sogleich auch Folge. Denn bis die ersten, harten Gitarrenriffs in des Hörers Ohr dringen können, muss dieser das Synthie-lastige „Intro (The Circle Premonition)“ sowie die ersten zweieinhalb Minuten vom Titeltracks „Nagarak“ mit ihrem Hörspiel-Charakter überstanden haben. Ich finde, hier hätte man schneller zum Punkt kommen müssen. Denn wer ist heutzutage in dieser schnelllebigen (Musik-) Welt noch bereit, so viel Geduld für eine gänzlich unbekannte Truppe aufzubringen?! Die Ausrufezeichen und Aha-Momente, die „Nagarak“ Im Folgenden zweifelsohne bereithält, werden leider nicht zu Beginn gesetzt und manchen Hörer daher womöglich gar nicht erst erreichen.

Die ersten ‚richtigen‘ Songs „End Of My Pain“, „Call To Arms“ und „Circle“ sind alle im Stil des ‚Heavy Metal Core‘ gehalten, wie die Gruppe ihre Musik selbst gern betitelt: Unter (insbesondere in den Refrains) traditionellen Heavy-Metal-Melodielinien bauen tiefergelegte Riffs und Double-Bass-Gewitter ihr Fundament. Growls, Screams und weiblicher Klargesang wechseln sich ab. „Call To Arms“ sticht hier als schlüssigste Komposition der drei heraus, wohingegen man das stumpfe „Circle“ gut und gerne hätte weglassen können. Durch ihre Eintönigkeit kommt die Nummer nicht richtig zum Punkt – auch die Keys im Refrain retten hier nichts. Der aus dem „Intro (The Circle Premonition)“ schon bekannte Refrain könnte die Nummer aufpeppen, taucht aber viel zu spät im Arrangement auf. Vorher werden viele den Song sicher schon weggedrückt haben…

… und mit einem kleinen Juwel belohnt. „Temple Of Heroes“ ist eine schlau durchkomponierte, treibende traditionelle Metal-Halbballade, bei der wirklich alles stimmt: Die Melodien sind zwingend im Ohr, die beiden Sänger kommen hier gleichermaßen zum Zuge. Das kräftig stampfende „Follow Us“ wirkt daraufhin eingepfercht zwischen dem ‚Heldentempel‘ und der bittersüß-dramatischen Akustik-Ballade „Castle Of Fear“ (inklusive theatralisch-klassischem Gastgesang) etwas verloren. Dabei will eigentlich die Akustik-Nummer nicht so richtig in die Songabfolge passen und wäre als Bonus-Track am Ende des Albums viel besser aufgehoben. Denn mit „Save Me“ folgt ihr ein emotionaler, moderner Rock-Song, der viel besser direkt hinter „Follow Us“ gepasst hätte und dessen Refrain den Hörer mit voller Power aus dem Sessel reißt – geniales Arrangement und Melodien!

Im Folgenden wird dann erstmals seit dem durchschnittlichen „Circle“ endlich wieder die Keule geschwungen und Definition Of Insanity sind plötzlich wieder eine reine Metal-Band. „Thunder In My Mind“ (mit herausragender Lead-Gitarre und Power-Metal-Gastgesang) überrollt den Hörer, und auch das fette Modern-Metal-Riff-Monster „Lunatics“ lädt anschließend nicht zum Verschnaufen ein. An „Nagaraks“ Ende hat die Gruppe dann plötzlich zwei der besten Songs versteckt.

Zum Ende der Scheibe wird „Temple Of Heroes“ in Form von „Dark Surroundings“ quasi drei Stufen härter neu aufgekocht, bevor die insgesamt längste Komposition „Definition Of Insanity“ quasi alle bis hierhin bekannten Sounds treffend zusammenfasst und somit den Bandnamen als Songtitel verdienterweise trägt.

Insgesamt liefern Definition Of Insanity mit ihrem „Nagarak“ somit ein ausgesprochen vielseitiges Debüt-Album ab, auf dem wohl jeder Freund der härteren Gangart etwas Ansprechendes finden wird. Ich hätte mir trotzdem gewünscht, dass sich die Band auf ihre stärksten Songs beschränkt und ein kompakteres, angriffslustigeres Debüt als Visitenkarte hinterlassen hätte. So ist mir das Ganze aber stilistisch zu weit gefächert und durch das übergeordnete Konzept außerdem zu kopflastig. Die Bezeichnung ‚Heavy Metal Core‘ deutet an, dass man hier versucht hat, grundsätzlich sehr gegensätzliche Subgenres des Metal zu vereinen. Der schwachbrüstige, dünne Sound nimmt gerade den härteren Nummern leider immer wieder den Punch. Zu guter Letzt wird man durch das schöne Coverartwork, den Seitenaufdruck des Inlays sowie den Aufdruck auf der CD selber leider über den Bandnamen in die Irre geführt: Definition Of Insanity oder Nagarak? Eher hinderlich um sich überregional einen Namen zu machen…


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